1. Gebärdensprache ist nicht international
Fast jedes Land hat eine eigene Gebärdensprache. Deutsche, österreichische und amerikanische Gehörlose verstehen sich nicht automatisch. Für internationale Begegnungen gibt es zusätzlich die International Sign.
2. DGS ist seit 2002 gesetzlich anerkannt
Seit dem 1. Mai 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache durch das Behindertengleichstellungsgesetz als eigenständige Sprache anerkannt. Im Alltag müssen Gehörlose trotzdem oft um ihr Recht auf Verständigung kämpfen.
3. Sie hat eine eigene Grammatik
DGS ist keine Übersetzung des Deutschen in Handzeichen. Sie hat einen eigenen Satzbau und nutzt den Raum vor dem Körper: Personen und Dinge werden an Orten „abgelegt“ und später durch Zeigen wieder aufgegriffen.
4. Das Gesicht spricht mit
Mimik ist in DGS Grammatik. Ob ein Satz eine Frage, eine Aussage oder eine Aufforderung ist, zeigen vor allem Augenbrauen, Blick und Kopfhaltung. Wer beim Gebärden „ausdruckslos“ schaut, spricht grammatisch falsch.
5. Es gibt Dialekte
Wie in der Lautsprache gibt es in der DGS regionale Unterschiede – manche Gebärden sehen in Norddeutschland anders aus als in Bayern.
6. Rund 80.000 gehörlose Menschen in Deutschland
Der Deutsche Gehörlosen-Bund schätzt die Zahl gehörloser Menschen in Deutschland auf etwa 80.000. Eine vollständige amtliche Statistik gibt es nicht. Dazu kommen viele schwerhörige und hörende Menschen, die Gebärdensprache nutzen – etwa Angehörige, Dolmetscher und Fachkräfte.
7. Die meisten gehörlosen Kinder haben hörende Eltern
Über 90 % der gehörlosen Kinder werden in Familien mit hörenden Eltern geboren – umgekehrt sind rund 90 % der Kinder gehörloser Eltern hörend. Gebärdensprache wird deshalb oft nicht „zu Hause“ weitergegeben, sondern muss bewusst gelernt werden – von Kindern und Eltern.
8. Das Fingeralphabet ist nicht die Gebärdensprache
Mit dem Fingeralphabet buchstabiert man Namen, Orte oder Fachbegriffe. Die eigentliche Kommunikation läuft über Gebärden, Mimik und Raum – nicht Buchstabe für Buchstabe.
9. DGS ist immaterielles Kulturerbe
2021 wurde die Deutsche Gebärdensprache in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
10. Gebärdensprachen haben einen eigenen Feiertag
Der Internationale Tag der Gebärdensprachen der Vereinten Nationen ist jedes Jahr am 23. September.
Quellen
- Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), § 6 – Gebärdensprache
- Deutscher Gehörlosen-Bund e. V.: Stellungnahmen und Zahlen zu Gehörlosigkeit in Deutschland
- Bundeszentrale für politische Bildung: Internationaler Tag der Gebärdensprachen