Ratgeber · Arbeitsplatz

Gehörlose Kollegen im Team: 10 Tipps.

Unsicherheit ist normal – wer nie mit gehörlosen oder schwerhörigen Menschen gearbeitet hat, weiß oft nicht, wie er anfangen soll. Mit ein paar einfachen Regeln klappt die Verständigung viel besser.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fragen statt raten: Jeder Mensch mit Hörschädigung kommuniziert anders – fragen Sie, was hilft.
  • Sichtbar bleiben: Blickkontakt, gutes Licht aufs Gesicht, nicht wegdrehen.
  • Lippenlesen ist begrenzt und anstrengend – Schriftliches und Dolmetscher sind keine Notlösung, sondern Standard.
  • Für Dolmetscher und Technik gibt es Förderung über Integrationsamt, Agentur für Arbeit oder Rentenversicherung.

10 Tipps für den Arbeitsalltag

  1. Fragen Sie nach. Manche Kollegen gebärden, andere sprechen und lesen von den Lippen ab, wieder andere nutzen ein Cochlea-Implantat. Die beste Kommunikationsform kennt die Person selbst.
  2. Aufmerksamkeit holen: Leicht an Schulter oder Arm tippen, in Sichtweite winken oder kurz das Licht an- und ausschalten – nicht von hinten ansprechen.
  3. Blickkontakt halten: Schauen Sie Ihr Gegenüber beim Sprechen an, nicht auf den Bildschirm oder in Unterlagen.
  4. Licht beachten: Stellen Sie sich nicht mit dem Rücken zum Fenster – ein Gesicht im Gegenlicht kann man nicht ablesen.
  5. Deutlich, aber natürlich sprechen: Nicht schreien, nicht übertreiben, normales Tempo mit klaren Pausen. Hände, Kaffeetassen und Masken weg vom Mund.
  6. Umformulieren statt wiederholen: Wurde etwas nicht verstanden, sagen Sie es mit anderen Worten – manche Wörter sind auf den Lippen kaum zu unterscheiden.
  7. Schriftlich ist okay: Chat, Notizblock oder Messenger sind gute Brücken – besonders bei Zahlen, Namen und Terminen.
  8. Meetings barrierefrei planen: Agenda vorher schicken, nur eine Person spricht, Wortmeldungen per Handzeichen, wichtige Ergebnisse schriftlich festhalten.
  9. Dolmetscher einplanen: Für Teamsitzungen, Mitarbeitergespräche und Schulungen sind Gebärdensprachdolmetscher der Standard.
  10. Sicherheit mitdenken: Akustische Alarme brauchen eine visuelle Ergänzung, zum Beispiel Blitzleuchten.

Warum Lippenlesen nicht reicht

Viele Hörende gehen davon aus, dass gehörlose Menschen „einfach von den Lippen ablesen“. Tatsächlich sehen viele Laute auf den Lippen gleich aus – „Mama“, „Papa“ und „Bambus“ etwa beginnen mit kaum unterscheidbaren Mundbildern. Ein großer Teil muss aus dem Zusammenhang erraten werden. Das ist enorm anstrengend, besonders in langen Besprechungen.

Unterstützung und Förderung

Arbeitgeber und Beschäftigte müssen die Kosten für Barrierefreiheit nicht allein tragen. Ein Antrag auf Gebärdensprachdolmetscher oder Arbeitsplatzausstattung wird je nach Fall beim Integrations- bzw. Inklusionsamt, bei der Agentur für Arbeit oder bei der Rentenversicherung gestellt. Der Integrationsfachdienst (IFD) hilft, die richtige Stelle zu finden. Ob auch ein Gebärdenkurs für das Team gefördert werden kann, klären Sie am besten direkt mit dem IFD oder dem Integrationsamt.

Kollegenkurs: Gebärdensprache fürs Team

Ein paar Gebärden verändern die Stimmung im Team enorm. In unseren Kollegenkursen lernt Ihr Team Grundwissen über Hörschädigung, einfache Gebärden und Kommunikationstechniken – und zwar auch die Gebärden, die an Ihrem Arbeitsplatz wirklich gebraucht werden. Die Kurse finden direkt bei Ihnen im Betrieb statt; Umfang und Preis richten sich nach Teamgröße und Wunsch.

Häufige Fragen

Ist es unhöflich, nach der Hörschädigung zu fragen?

Nein – solange es um die Zusammenarbeit geht. „Wie können wir am besten kommunizieren?“ ist eine gute Frage. Neugierige Fragen zur Ursache gehören dagegen nicht in den Arbeitsalltag.

Sagt man „gehörlos“ oder „taubstumm“?

„Gehörlos“ oder „taub“. Der Begriff „taubstumm“ gilt als veraltet und abwertend – gehörlose Menschen sind nicht stumm, sie haben eine eigene Sprache.

Kommt ihr für den Kurs zu uns in die Firma?

Ja, Kollegenkurse finden vor Ort im Betrieb statt – in Tarp, Flensburg, Schleswig und Umgebung. Angebot anfragen.