Ratgeber · Gebärdensprache

Gebärdensprache lernen: Wie anfangen?

Wie lange dauert es, was kostet ein Kurs, und warum ist Gebärdensprache mehr als „Hände bewegen“? Die wichtigsten Antworten für Einsteigerinnen und Einsteiger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist eine vollwertige Sprache mit eigener Grammatik – keine Pantomime.
  • Einfache Sätze lernen Sie in einem Anfängerkurs von etwa 10 Stunden, einfache Gespräche nach einem Aufbaukurs.
  • Wer fließend gebärden möchte, braucht – wie bei jeder Fremdsprache – mehrere Jahre Übung.
  • Am schnellsten lernen Sie in kleinen Gruppen mit viel Übung zu Mimik und Blick.

Was ist die Deutsche Gebärdensprache?

Die Deutsche Gebärdensprache ist die Sprache gehörloser Menschen in Deutschland. Sie ist seit dem 1. Mai 2002 gesetzlich als eigenständige Sprache anerkannt. Ihre Grammatik wird nicht nur mit den Händen ausgedrückt, sondern auch mit Mimik, Kopf- und Körperhaltung und dem Raum vor dem Körper. Eine hochgezogene Augenbraue kann zum Beispiel aus einer Aussage eine Frage machen.

Deshalb ist der Einstieg für Hörende oft ungewohnt: Wir sind es gewohnt, Wörter zu hören oder zu lesen – nicht, Sprache zu sehen. Gute Anfängerkurse trainieren darum zuerst die visuelle Wahrnehmung, bevor es um Vokabeln geht.

DGS, LBG und Fingeralphabet – was ist der Unterschied?

BegriffWas es istWofür es genutzt wird
DGSEigenständige Sprache mit eigener Grammatik und eigenem SatzbauAlltagssprache gehörloser Menschen
LBG (lautsprachbegleitende Gebärden)Gebärden in der Reihenfolge der deutschen Lautsprache, parallel zum SprechenOft von schwerhörigen oder spätertaubten Menschen und im Unterricht genutzt
FingeralphabetEin Handzeichen pro BuchstabeNamen, Orte und Fachbegriffe buchstabieren – keine eigene Sprache

Wie lange dauert es, Gebärdensprache zu lernen?

Das hängt davon ab, was Sie erreichen möchten:

  • Erste Verständigung: Nach einem Anfängerkurs (bei uns 10 Stunden) kennen Sie Grundvokabeln, können einfache Sätze bilden und sich vorstellen.
  • Einfache Gespräche: Nach dem Aufbaukurs für Fortgeschrittene können Sie kurze Dialoge führen, nach Uhrzeit und Datum fragen und Fragen richtig mit der Mimik markieren.
  • Fließend gebärden: Wie bei Englisch oder Französisch dauert das Jahre – mit regelmäßiger Übung und möglichst viel Kontakt zu gehörlosen Menschen.

Was kostet ein Gebärdensprachkurs?

Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter, Gruppengröße und Kursdauer. Bei manulinga kostet ein Kurs mit 10 Stunden 80 Euro. Sie können zwischen einem Abendkurs (5 Abende, je 18–20 Uhr) und einem Wochenendkurs (Samstag 10–16 Uhr, Sonntag 10–14 Uhr) wählen. Die Gruppen sind auf 10 Personen begrenzt.

Für Betriebe, Kitas und Schulen bieten wir Kurse direkt vor Ort an – Umfang und Preis richten sich nach Ihrem Bedarf. Alle Kurse ansehen.

7 Tipps für einen guten Start

  1. Mimik ernst nehmen: Ein „neutrales“ Gesicht gibt es in DGS kaum – Mimik ist Grammatik.
  2. Hinsehen üben: Achten Sie im Alltag bewusst auf Gesichter, Gesten und Körpersprache.
  3. Regelmäßig statt viel: 10 Minuten am Tag bringen mehr als drei Stunden einmal im Monat.
  4. Mit Video üben: Filmen Sie sich selbst – so sehen Sie, ob Handform und Mimik stimmen.
  5. Nicht nebenbei sprechen: Wer gleichzeitig spricht, fällt schnell in die deutsche Satzstellung zurück.
  6. Kultur kennenlernen: Gehörlosenkultur hat eigene Umgangsformen – etwa, wie man jemanden auf sich aufmerksam macht.
  7. Kontakt suchen: Veranstaltungen von Gehörlosenvereinen sind ideal, um das Gelernte anzuwenden.

Häufige Fragen

Brauche ich Vorkenntnisse für einen Anfängerkurs?

Nein. Unser Anfängerkurs richtet sich ausdrücklich an Menschen ohne jede Vorkenntnis.

Ist Gebärdensprache international?

Nein. Fast jedes Land hat eine eigene Gebärdensprache, und selbst innerhalb Deutschlands gibt es regionale Unterschiede, ähnlich wie Dialekte. Für internationale Treffen gibt es die International Sign.

Kann man Gebärdensprache online lernen?

Videos und Apps sind gut zum Wiederholen von Vokabeln. Mimik, Blickverhalten und die Nutzung des Raums lernen Sie aber am besten im direkten Austausch – mit einer Lehrkraft, die Ihnen Rückmeldung gibt.

Ich bin selbst schwerhörig geworden. Ist der Kurs für mich geeignet?

Ja. Daneben bieten wir ein Mobilitätstraining an, das speziell Menschen mit Resthörvermögen, Spätertaubung oder Cochlea-Implantat unterstützt.