Das Wichtigste in Kürze
- Gebärden geben Kindern ein Werkzeug, sich mitzuteilen, bevor sie sprechen können.
- Sie bremsen das Sprechenlernen nicht – Gebärde und Wort werden zusammen verwendet.
- Wundermittel sind sie nicht: Dass Kinder dadurch dauerhaft „schneller“ oder „klüger“ werden, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
- In Kitas helfen Gebärden besonders inklusiven Gruppen und Kindern mit Sprachverzögerung.
Warum Gebärden für Kinder so gut funktionieren
Kleine Kinder verstehen viel mehr, als sie sagen können. Ihre Hände und ihr Körper sind oft schneller als ihre Sprechwerkzeuge – sie zeigen, winken und strecken die Arme aus, lange bevor das erste Wort kommt. Gebärden knüpfen genau daran an: Sie geben dem Kind ein sichtbares Zeichen für „mehr“, „trinken“ oder „fertig“.
Das kann Frust auf beiden Seiten verringern. Und es lenkt den Bewegungsdrang von Kindern in eine Richtung, die Aufmerksamkeit und genaues Hinsehen trainiert.
Was sagt die Forschung?
Ehrlich gesagt: Die Studienlage ist gemischt. Die verbreitete Sorge, Gebärden würden das Sprechen verzögern, wird nicht gestützt. Umgekehrt lässt sich aber auch nicht sicher sagen, dass Kinder durch Babyzeichen langfristig früher oder besser sprechen. Wir sehen den Wert deshalb vor allem in der gemeinsamen Kommunikation und der Freude daran – nicht in Versprechen über Intelligenz oder Leistung.
Für Kinder mit besonderem Förderbedarf – etwa bei Sprachentwicklungsverzögerungen oder Trisomie 21 – ist die gebärdenunterstützte Kommunikation (zum Beispiel das Konzept „GuK“) dagegen seit Jahren ein etabliertes Mittel der Förderung.
Ab welchem Alter?
Viele Eltern beginnen, sobald ihr Kind zeigt oder winkt – oft gegen Ende des ersten Lebensjahres. Für unsere Kinderkurse empfehlen wir ein Alter ab etwa zweieinhalb bis drei Jahren. Dann wird gespielt, gebastelt und mit Gebärden gesungen.
Gebärden in der Kita
- Inklusion: Für ein Kind mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigung können Gebärden die wichtigste Möglichkeit sein, sich mitzuteilen – und alle anderen Kinder profitieren mit.
- Ruhephasen: In Zeiten, in denen nur mit der „Geheimsprache der Hände“ gesprochen wird, bekommen kleine und große Ohren eine Pause.
- Mehrsprachige Gruppen: Gebärden können eine gemeinsame Brücke sein, wenn Kinder noch wenig Deutsch sprechen.
- Kinder gehörloser Eltern: Wer in der Kita neue Wörter lernt, braucht auch die Gebärde, um zu Hause davon zu erzählen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Hörende Kinder gehörloser Eltern.
So fangen Sie an
- Wählen Sie 5 bis 10 Alltagsgebärden: essen, trinken, mehr, fertig, schlafen, Mama, Papa.
- Immer sprechen und gebärden gleichzeitig – das Kind verbindet so Wort und Zeichen.
- Gebärden Sie in echten Situationen, nicht als Übung: „trinken“ beim Trinken.
- Haben Sie Geduld: Es kann Wochen dauern, bis ein Kind die erste Gebärde selbst nutzt.
Häufige Fragen
Lernt mein Kind durch Gebärden später sprechen?
Diese Sorge wird von der Forschung nicht gestützt. Gebärden ergänzen die Lautsprache. Sobald ein Kind ein Wort sprechen kann, lässt es die Gebärde meist von selbst weg.
Sind Babyzeichen dasselbe wie Gebärdensprache?
Nicht ganz. Babyzeichen nutzen meist einzelne Gebärden – oft aus der DGS – zur Unterstützung der Lautsprache. Die Deutsche Gebärdensprache selbst ist eine vollständige Sprache mit eigener Grammatik.
Bieten Sie Kurse direkt in unserer Kita an?
Ja. Wir kommen für Kurse mit Kindergruppen oder Fortbildungen für das pädagogische Team gern zu Ihnen. Angebot anfragen.